Deutschland ist Weltmeister … … in Sachen MRT (MagnetResonanzTomografie, auch Kernspintomografie genannt), denn nirgendwo kommen so viele Menschen in den zweifelhaften Genuss dieser technisch aufwändigen Diagnostik wie hierzulande.

Ganz sicher kann und konnte vielen Menschen damit auf ungefährliche Art und Weise weitergeholfen werden. In Kauf genommen werden müssen jedoch viele „Nebenbefunde“ von zweifelhaftem Krankheitswert: In einer noch laufenden MRT-Ganzkörperstudie der Universitätsklinik Greifswald wurden bei 2500 vermeintlich gesunden Versuchspersonen über 12000 nebensächliche Befunde bzw. Auffälligkeiten zwischen Scheitel und Sohle gefunden.

Wie soll man damit umgehen?  Über 7% der Deutschen waren 2009 „in der Röhre“. Das darf man kritisch sehen. Denn ein MRT erkennt viele Abweichungen von Normalzuständen und bereits geringfügige Veränderungen noch gesunder organischer Strukturen, was von der Diagnostik beim Radiologen über die Interpretation des überweisenden Arztes und die Übermittlung an den Patienten vielfach zu Unsicherheiten und übertriebenen Folgeuntersuchungen führt. Die Konsequenz daraus sollte sein, dass vor jedem MRT eine sehr gründliche klinische Untersuchung beim verordnenden Arzt zu erfolgen hätte und dass dieser einen guten Plan für den Fall „echter“ krankhafter Befunde und von bloßen Normabweichungen haben sollte. Patienten sollten erkennen, dass ein MRT nicht einfach eingefordert werden sollte, um „den Dingen auf den Grund zu gehen“, weil aus besagten Gründen diese Untersuchung nicht am Anfang, sondern eher am Ende einer diagnostischen Kette zu stehen hat.

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